Illusion

Bald 100 Tage GroKo und Grauen der Nichtregierung. Ich kann es alles nicht mehr hören, ich mag es nicht mehr sehen und ich kann meinen Kopf gar nicht tief genug in den Sand stecken. Ich finde jedes Wort darüber zu viel.

Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.

Ob Goethe geahnt hat, wie sehr er mit seinen Worten im Faust auch nach über 200 Jahren Menschen aus der Seele spricht?

Wenn ich die aktuellen Scheindiskussionen verfolge, die mediale Berichterstattung betrachte und mich einmal ganz entspannt zurücklege und das Jahr 2017 Revue passieren lasse, fühle ich mich diffus in der Zeit zurückgereist. Damals, also vor ziemlich genau einem Jahr und damit in ähnlicher zeitlicher Nähe vor der Bundestagswahl wie heuer vor der Landtagswahl in Bayern, machte Herr Seehofer die ganz große Welle zum Thema Obergrenze. Als gäbe es keine anderen Themen im Land (nein, ich meine jetzt nicht Klimawandel und Gender). Und als könnte man die bestehenden Probleme nicht bereits durch konsequente Anwendung des bestehenden nationalen und europäischen Rechts angehen, wenn man denn wollte.

Stattdessen wird ein großartiges Schauspiel der Politik aufgeführt, die ganz große Bühnenkunst wird aufgefahren, der Blätterwald rauscht kräftig mit und das Wahlvolk sieht fassungslos zu. Wo ich bei Blätterrauschen spontan an „Und ewig singen die Wälder“ von Trygve Gulbranssen denken muss. Ich stöbere ein wenig und finde diese Filmkritik aus dem Spiegel vom 21.10.1959: „Nach dem norwegischen Bauernroman gleichen Namens ist ein Rührfilm für geistig unmündige Zuschauer hergestellt worden.“ Honi soit qui mal y pense.

Aufgrund der Aktualität gibt es dazu heute noch einmal einen von mir frei übersetzten Auszug aus der Folge 10 der ersten Staffel Timeless, es spricht der jugendliche Sohn des Gründers der Geheimorganisation:

„Mein Vater sagt, die Bauern sind wie die Zeiger der Uhr. Sie drehen sich im Kreis. Die Bauern sind nicht in der Lage ihren eigenen Weg zu wählen, so wie die Zeiger der Uhr… Vater sagt, die Monarchie ist zu eigennützig und die Demokratie ist zu chaotisch… Kontrolle ist alles was zählt, gewöhnlich ist es besser aus dem Hintergrund zu agieren… Die meisten Bauern möchten nicht mehr als die Illusion einer Stimme. Vater sagt, genau dafür gibt es die Demokratie!“

BT