Nachtrag

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und versucht nachzuvollziehen, wieviele Hausfrauen es eigentlich so ungefähr in Deutschland gibt und ob das wirklich so eine verschwindend kleine Gruppe ist, dass es berechtigt wäre, sie auf den Seiten des Bundesfamilienministeriums nur einmal zu erwähnen.

Wesentliche Quelle ist das Statistische Jahrbuch 2017, das man sich auf der Seite von Destatis kapitelweise herunterladen kann. Zusätzlich wurde der Datenreport 2016 herangezogen, den man auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung ansehen, bzw. herunterladen kann. Die meisten Zahlen zur Einwohner, Familien und Lebenssituation basieren dort allerdings aus den Jahren 2013 und 2014. Das liegt daran, dass sich ein Teil der Erhebungen aus Fragen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) ergibt und die Befragungen nicht jedes Jahr durchgeführt werden. Außerdem kranken diese Statistiken an der Art der Befragung, so dass die Ergebnisse nicht immer neutral aussagekräftig sind. Als Beispiel möchte ich folgendes zeigen:

Im Kapitel „Traditionelle und egalitäre Einstellungen zur Rolle der Frau im Zeitverlauf
“ ist eine Aussage, an der man die Zuordnung zu traditionell und egalitär festmacht, dass „es für alle Beteiligten viel besser sei, wenn der Mann voll im Berufsleben stünde, während die Frau zuhause bliebe und sich um Haushalt und Kinder kümmere“. Natürlich lehnt der Befragte, der nicht direkt ins Heimchen-am-Herd-Klischee gedrückt werden will, diese Aussage heutzutage ab. Die Fragestellung ist zwar hinsichtlich der Rolle der Frau im Zeitverlauf korrekt. Um aber zu dem Schluss zu kommen, dass sich die Notwendigkeiten und Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit für Frauen in den letzten Jahrzehnten verändert haben (und nicht vielleicht auch die von Männern…) müsste in der heutigen Zeit, mit all dem Gleichberechtigungs- und Gendergedöns die Aussage doch viel eher lauten: „Es ist für alle Beteiligten viel besser, wenn ein Partner voll im Berufsleben steht, während der andere Partner zuhause bleibt und sich um Haushalt und Kinder kümmert.“ Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Ergebnisse einer solchen Umfragen ganz anders aussähen. Für eine Publikation, die umfassende Grundlagen für einen rationalen politischen Diskurs bieten will (vgl. Vorwort zum Datenreport 2016), ist das eindeutig zu kurz gesprungen.

Aber mal wieder zurück zu unseren Hausfrauen. Nach viel hin und her fand ich die beste Antwort auf meine Frage in Kapitel „2.6.16 Minderjährige Kinder in Paarfamilien nach Erwerbsbeteiligung der Eltern 2016“ des Statistischen Jahrbuchs. Das ist natürlich insofern Mist, weil all die älteren Hausfrauen, bei denen die Kinder nicht mehr minderjährig sind oder auch schon lange ausgezogen, nicht erfasst werden. Aber erst einmal ist es ein Anhaltspunkt. Hiernach leben also etwa 28 % der minderjährigen Kinder in Paarfamilien, in denen ein Elternteil nicht erwerbstätig ist. Das sagt jetzt noch wenig, ist aber schon einmal ein Anhaltspunkt.

Im Jahr 2016 gab es in Deutschland rund 9,74 Mio. minderjährige Kinder (also unter 18 Jahre), von denen etwa 2,7 Mio. in einer Hausfrauen-/Hausmännerfamile lebten.

Ein Schwenk in den Datenreport 2016 zeigt im Kapitel Vereinbarkeit von Familie und Beruf folgendes: Im Jahr 2014 gab es in Deutschland 6,7 Mio. Frauen im Erwerbsfähigen Alter, bei denen mindestens ein Kind unter 15 Jahren mit im Haushalt lebte. Von diesen 6,7 Mio. Frauen waren 42% nicht erwerbstätig. Das heißt, dass mindestens diese 2,8 Mio.  Hausfrauen waren. Hinzu kommen 16% der Männer im erwerbsfähigen Alter, die mit einem Minderjährigen Kind im Haushalt leben und nicht erwerbstätig waren. Da Überschneidungen möglich sind, kann man diese rund 900 tsd. Männer nicht einfach auf die 2,8 Mio. Frauen draufschlagen, aber bei einem wesentlichen Teil dieser Gruppe wird es sich sicher um klassische Hausmänner handeln.

Ich finde nicht, dass etwas, das von über 40 % der Familien mit Kindern unter 15 Jahren praktiziert wird, so unter den Teppich gekehrt werden sollte, dass das zuständige Ministerium keine wirklichen Informationen und Konzepte für diese Menschen und Lebensform bereithält. Halt, das stimmt ja gar nicht, es wird eine Vielzahl von Informationen bereitgestellt, wie man an diesem Zustand etwas ändern kann. So, als wäre „Hausfrau“ eine fiese und durch Arbeit vermeidbare Krankheit.

Übrigens wird auf der Seite des BMFSJ das Wort „gleichgeschlechtlich“ 212 mal erwähnt, davon 92 mal im Zusammenhang mit Gleichstellung und 46 mal im Zusammenhang mit Familie (zur Erinnerung: das Wort Hausfrau wird 1 mal erwähnt!). Im Jahr 2016 gab es laut Statistischem Jahrbuch 11,575 Mio. Familien (Eltern-Kind-Gemeinschaften) in Deutschland, davon waren 68,2 % Ehepaare, 23,3 % Alleinstehende, 8,4 % Unverheiratete und 0,1 % Gleichgeschlechtliche.

Wie sagte vor ein paar Tagen irgendein Abgeordneter im Bundestag in anderem Zusammenhang:

„… Sie machen Politik für die Ränder,
die Millionen in der Mitte vergessen Sie!“

 

 

BT