Die Waffel glupscht

Sie haben beschlossen, einen Hund anzuschaffen. Groß soll er sein, kuschelig und von sanftem Gemüt. Für die Haltung eines großen Hundes ist es erforderlich, die Sachkunde in Bezug auf Hunde, ihre Haltung und Erziehung nachzuweisen. Ein Test steht ins Haus. Eine Prüfung, abzulegen vor einem niedergelassenen Tierarzt oder im Amt.

Sie lesen sich in das Thema ein. Drucken 23 Seiten mit ca. 150 Fragen aus. Fühlen sich auf einmal wieder 30 Jahre jünger und an den Führerschein erinnert. Der Mann mit dem Handkarren lässt grüßen. Er tauchte in jedem Fragebogen auf. Seit 30 Jahren warten sie im Straßenverkehr darauf, ihm zu begegnen.

Jetzt müssen sie anhand winziger Zeichnungen erkennen, ob das abgebildete Tier ängstlich, drohend, aggressiv oder unterwürfig ist. Wurde in der vorigen Frage noch herausgestellt, dass sich die Stimmung des Hundes am ehesten an den Ohren und dem Schwanz ablesen lässt, ist dieses Kennzeichen bei den gezeichneten Aufgaben zur Stimmung nicht immer zutreffend. Da stehen die Ohren in dem einen Bild und liegen in einem anderen Bild und der Hund ist in beiden Fällen drohend. Sie ist verzweifelt ob der Widersprüchlichkeit. Er geht pragmatisch ran. Ein Mann eben. Er guckt nur auf den Hintern.

Man muss lernen, welche Kampfhunde man nicht mehr züchten darf, auch wenn man selbst nur einen sanften Riesen halten möchte. Und man soll wissen, wie groß der Zwinger für einen Rottweiler sein muss, auch wenn der eigene Hund im Wohnzimmer auf der Couch liegen wird.

Wenn man den Ausdruck auf A5 verkleinert und doppelseitig druckt, braucht man weniger Papier. Leider erkennt man auch weniger von den Zeichnungen. Sie quälen sich nun schon die dritte Woche durch die Fragebögen. Es macht keinen Sinn, ein Buch zu kaufen oder online Testbögen auszufüllen. Jeder Bezirk kocht sein eigenes Fragebogensüppchen. Was in unserer Stadt gilt, scheint 100 Kilometer nördlich nicht mehr der Sachkunde zu dienen.

Auch Binsenweisheiten helfen nicht immer weiter. Anleinen ist immer richtig, außer im Tollwutbezirk, solange der Hund aufs Wort hört. Sie sitzen sich am Tisch gegenüber und keifen sich an, der Prüfungstermin rückt näher und sie haben noch nicht zu allen Fragen die passenden Eselsbrücken gefunden. Die Fehlerquote bleibt unverändert. „Und“, brüllt sie verzweifelt, „welcher hat jetzt die Glupschaugen und welcher schlitzt?“

Er lehnt sich gemütlich zurück, lächelt und belehrt: „Die neapolitaner Waffel glupscht und der Kuvasz ist es nie!“

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Screenshot Fragenkatalog zum Sachkundenachweis nach dem Landeshundegesetz NRW