Neues aus der Tantenrepublik

Ich habe ja bereits angekündigt, dass ich etwas über die Dokumentation „Frauen in der Rentenfalle“ schreiben werde und mich dafür durch das Buch von Renate Schmidt und Helma Sick quäle. Nun bin ich ja ein Mensch, dem die eigene Begrenztheit bewusst ist und der sich, schon allein von Berufs wegen, rückversichert und nochmal genau prüft. Jedenfalls habe ich mir die Rezensionen zu diesem Buch bei DEM großen Onlinehändler angeschaut und festgestellt, dass der überwiegende Teil der Rezensenten das Buch gut bewertet hat und die meisten hilflosen Hascherl ganz glücklich darüber waren, dass ihnen endlich mal jemand sagt, dass sie sich selbst um ihre Finanzen kümmern müssen…

Eine Rezension hatte nur einen Stern und der Rezensent hat sich zunächst einmal positiv geäußert, weil die Lektüre des Buches zu Diskussionen zwischen ihm und seiner Frau geführt hat. Er schildert dann noch Details aus seiner Ehe und seine Sicht, dass alles Erwirtschaftete beiden gemeinsam gehöre. Seine Frau nun aber, angestachelt durch das Buch, Befürchtungen habe. Er fragt dann, warum im Buch (wie auch in der Fernsehdoku, da komme ich aber in einem separaten Beitrag noch darauf zurück) das Thema „Versorgungsausgleich“ so völlig untergeht und nicht angemessen dargestellt wird.  Als möglichen Grund für das Fehlen führt er an, dass die Darstellung im Buch vielleicht noch auf die Gesetzeslage vor der Änderung in 2009 abstellt (obwohl sich an dem Aufteilen der in der Ehe erworbenen Rentenpunkte im Falle einer Scheidung nichts Wesentliches geändert hat, nur mehr Sachverhalte einbezogen wurden).

Ich fand die Rezension sehr gut, neutral formuliert und in der Sache begründet. Und nun kommt der Knaller: Frau Sick persönlich hat in einer unglaublich frechen und anmaßenden Weise einen Kommentar darauf geschrieben, dass ich seit gestern kaum mehr von der Palme komme. Nach zwei einleitenden Sätzen, in denen sie sich als eine der beiden Autorinnen freut, dass er und seine Frau sich so intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt haben, kommt das:

„…Können sie sich wirklich vorstellen, dass Renate Schmidt als frühere Bundesfamilienministerin und ich als bundesweit bekannte Finanzexpertin für ein Buch mit veralteter Gesetzgebung arbeiten? Und dass wir die Situation von Frauen nicht kennen? Ich zum Beispiel berate seit fast 30 Jahren Frauen in Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Dazu schreibe ich seit 20 Jahren zu Geldthemen für BRIGITTE und BRIGITTE WOMAN und bekomme dazu sehr viele Zuschriften.
Das heißt, ich habe einen Einblick in Frauenleben wie ihn sonst kaum jemand hat…“

Sie geht mit keinem Wort auf die berechtigte Kritik zum Fehlen der Betrachtung des Versorgungsausgleichs ein, sondern blafft belehrend weiter:

„Der Versorgungsausgleich sichert Frauen ab, wenn die Ehe lange hält und wenn die Rente des Ehemannes hoch genug ist, um nach einer Trennung für zwei Haushalte zu reichen.  Außerdem werden über den Versorgungsausgleich nur die Rentenanteile geteilt, die während der Dauer der Ehe zugewachsen sind. Wenn also eine Ehe nicht lange hält, was dann?“

Ganz nach dem Motto: Du unwissender kleiner Wurm, wir haben für dich entschieden, was du wissen musst! Und weil sie sich wohl gerade so gut in Fahrt geschrieben hatte, schließt sie mit:

„Fazit: Ich hätte mir gewünscht, dass Sie das Buch genauer lesen. Und dann nicht Ihre eigene Ehe zum Maßstab nehmen, sondern die gesellschaftliche Realität wahrnehmen, die Anlass zur Sorge gibt.
Helma Sick“

Jaja, da staunt der unmündige Leser und kriecht schmollend zurück in sein Loch.

Mich hat dieser Kommentar, der genauso gouvernantenhaft wie das ganze Buch rüberkommt, sprachlos gemacht. Immerhin schreibt sie seit 20 Jahren für Brigitte und Brigitte Woman zu Geldthemen und bekommt viele Zuschriften, da braucht doch ein Mann nicht öffentlich blöd Fragen stellen! Ist sie jetzt so etwas wie der Dr. Sommer der frustrierten Geschiedenen?

Nun, ich bin jedenfalls froh, dass ich das Buch NICHT gekauft habe, sondern nur einen Euro Fernleihgebühr investiert habe. Ausnahmsweise mal an der richtigen Stelle gespart!

 

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