Früh übt sich

Ich schaffe es einfach nicht, der aktuellen Berichterstattung über Chemnitz den Rücken zu drehen. Es verfolgt einen ja auch auf Schritt und Tritt. Gestern in der Tageszeitung war auf der Kinderseite ein Beitrag mit dem Titel „Echt oder gefälscht?“

In diesem Beitrag wird Kindern in einfacher Sprache erklärt, was in Chemnitz passiert ist und um was es in der aktuellen Diskussion um Hans-Georg Maßen geht. So weit so löblich. Dann geht es schnell zur Sache, sachliche Darstellung des vorangegangenen Tötungsdeliktes, schneller Abriss über Rechtsextreme und Neonazis, Gegendemonstrationen, Konzert, erschreckende Szenen am Rande der Demonstrationen und, dass es von diesen Szenen Videos (!) gäbe. Nun habe ich in den letzten Wochen das Internet rauf und runter befragt, aber Videos von den Szenen der Verfolgung ausländisch aussehender Menschen, Gewaltandrohungen und Attacken waren, abgesehen von dem 20 Sekunden Video, nicht dabei. Alle sprechen davon, alle zeigen das eine Video, keiner zeigt die anderen Videos.

Aber weiter mit der Kinderseite. Der Beitrag geht dann über auf Hans-Georg Maaßen und dass er gesagt habe, „dass es in Chemnitz keine „Hetzjagd“ gab“. Wörtlich gesagt hat Maßen aber: „Die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz werden von mir geteilt. Es liegen dem Verfassungsschutz keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben.“

Kindgerecht und sachlich richtig hätte man schreiben können, dass er bezüglich der Hetzjagden skeptisch ist. Oder anders einfach formuliert, dass er anzweifelt, dass es Hetzjagden in dieser Form gegeben hat, weil seiner Behörde keine Beweise dafür vorliegen.

Es geht dann im Beitrag weiter mit: „Außerdem glaubt Hans-Georg Maßen, dass ein Video der angeblichen Hetzjagd nicht echt sei. Es sei gefälscht worden…“

Auch hier die wörtliche Aussage von Maßen: „Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist.“ Weil ich nun gerade diese Aussage so anders verstanden habe, als offensichtlich der Rest der echauffierten Welt, habe ich zusätzlich den Duden befragt, was denn nun „authentisch“ bedeutet. Und dort steht „echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“.

Kindgerecht und sachlich richtig hätte man schreiben müssen, dass es laut Maaßen noch keine Beweise dafür gebe, dass das Video echt sei und der Vorfall auch so stattgefunden hat.

Da nimmt es jemand mit der korrekten Darstellung des Sachverhaltes gegenüber Kindern nicht so genau, übergeht genau den Teil der Aussage zu den fehlenden Belege für den Sachverhalt an sich und das Video und schließt dann tatsächlich den Beitrag mit den Worten: „Du siehst: Es ist wichtig, dass man nicht etwas behauptet, ohne Beweise dafür zu haben.“

Qualitätspresse für den Nachwuchs eben, denn früh übt sich!

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