ratlos

Heute hat mich die Lektüre der Tageszeitung, sonst eher Quell morgendlicher Freude, ratlos zurückgelassen. Anlässlich der Eröffnung der Großmoschee in Köln und des Staatsbesuches des türkischen Präsidenten gab es heute einen gewissen Themenschwerpunkt in der Tageszeitung.

Auf der Kinderseite wurde in einfacher, kindgerechter Sprache erklärt, was eine Moschee ist und worauf sich der aktuelle Ärger bei der Eröffnungsfeier begründet. Die Darstellung war so sehr darauf bedacht, „den Islam als genauso wie das Christentum nur mit anderen Namen für eigentlich gleiche Dinge“ zu zeigen, dass fundamentale Unterschiede, zum Beispiel die räumlich getrennte Teilnahme von Männern und Frauen am Gottesdienst, nicht erwähnt wurden.

Bei den Themen des Tages dann ein Bild vor dem Berliner Hotel Adlon, wo sich Anhänger des türkischen Staatspräsidenten versammelten. Man sieht Frauen in langen schwarzen Mänteln und Hidjab, dazwischen ein Mann mit Häkelmütze, mannshoher türkischer Fahne und ausgestrecktem Zeigefinger. Bei mir hinterließ das Bild ein komisches Gefühl. Mir geht es gar nicht darum, ob man nun politisch für oder gegen den türkischen Staatspräsidenten ist, mir geht es um die Geste und das Selbstverständnis, das mit diesem Bild transportiert wird. Das bildgewordene Gegenteil von Identifikation mit Deutschland sozusagen.

Einige Seiten später unter Kultur, mit dem Titel „Mozart hebt die Stimmung“, das Porträt eines Kölner Klavierduos. Sie mit türkischen, er mit deutsch-rumänischen Wurzeln. Im letzten Absatz dann „…Ensari spricht ausgezeichnet Deutsch – sie hat in Istanbul die deutsche Schule besucht – und verfügt überhaupt über den Appeal einer liberalen, weltläufigen Westeuropäerin.“

Der Unterschied zwischen dieser Frau und den Frauen auf dem Bild vor dem Adlon könnte größer nicht sein. Und der sprachliche Umgang mit „den Türken“ in ein und derselben Ausgabe der Tageszeitung zeigt das ganze Dilemma der politisch korrekten Diskussion: In einem Artikel die Unterschiede nicht benennen und gleich reden, was nicht gleich ist. Im nächsten Artikel eine verbale Darstellung auf rein politischer Ebene und Transport der politischen und religiösen Aspekte des Problems subtil (aber wirkungsvoll) nur über die bildliche Ebene. Um dann im letztgenannten Artikel die real existierende Gleichheit als Besonderheit hervorzuheben.

Solange wir die, die sich bemühen, anpassen und einfügen als bemerkenswerte Exoten behandeln, und die, die unsere westliche Lebensart ablehnen und sich abgrenzen als unmündige, putzige Menschlein, solange bleibt unsere ganze bunte Diskussion verlogen und unsere Attitüde überheblich!

IMG_7070