Vom Geben und Nehmen

Es gab Kritik. Mir wurde vor Augen geführt, dass auch ich konsumiere. Und nicht zu knapp. Und dann entsorge, auch nicht zu knapp. Das ist natürlich richtig und ich bekenne mich schuldig an der ganz alltäglichen Teilhabe am Umweltfrevel. Statt die Kritik klaglos hinzunehmen, ruderte ich mit den Armen, führte aus, wie wenig eigentlich und wie nachhaltig andererseits.

Kritik geht mir immer sehr nah. Sie bringt mich zum Nachdenken. Und ich gebe zu, dass ich so manches Mal an der Müllsammelstelle des Abfallverbandes ein schlechtes Gewissen habe. Es ist nicht so, dass ich die Dinge nicht achte.

Aber wo soll man all die Sachen lagern, die man vielleicht in ein paar Jahren mal wieder brauchten könnte? Ich kenne Menschen, die das mit dem Lagern machen. Da muss man aber starke Nerven haben und geringe Ansprüche an optische Ordnung stellen. Oder eben viel Platz haben, einen großen Schuppen, einen Riesenkeller, einen Dachboden oder so. Im normalen städtischen Leben kommt das eher selten vor. Wohnungen mit dem typischen 10 qm Keller, der schon mit zwei Fahrrädern, dem Weihnachtsbaumschmuck und den Koffern für den jährlichen Pauschalurlaub aus allen Nähten platzt, bieten da genauso wenig Spielraum wie das 08/15 Stadthaus.

So bedingt die veränderliche Lebenssituation den Konsum und letztlich den Müll. Aber im Gegensatz zu dem für die Entsorgung produzierten Bekleidungsberg von H&M nutze dich meine Neuerwerbungen ja schon. Abgesehen von den Kleiderschrankleichen, die mit zunehmenden Alter seltener werden, sogar manches bis es nicht mehr geht. Erinnert mich an eine Jeanswerbung vor vielen Jahren: „Blabla Jeans don’t die, they just fade away!“

Kindersachen werden in meinem Umfeld immer vererbt, weshalb mich ja auch diese Matratzen-Test-Geschichte so aufgeregt hat. Ich habe dieses Jahr eine kurze Hose weitergegeben, die jetzt dem fünften Kind noch einen Sommer dienen wird, vielleicht wandert sie dann noch einmal weiter, wer weiß. Und hier kommen wir auch zum Titel des heutigen Beitrags. Ich freue mich immer, wenn mir jemand etwas anbietet, ich nehme es gerne. Es ist mir nicht peinlich und es beschämt mich nicht, ich bin dankbar dafür. Und ich gebe andererseits sehr gerne Dinge weiter und es freut mich, wenn sich ein Freund, Nachbar oder Bekannter über das Empfangene freut.

Diese Art des Gebens und Nehmens ist stark an die persönliche Verbindung der Beteiligten geknüpft. Sie ist anders als eine großzügige Geldspende, die man irgendwohin überweist, oder ein blauer Sack lieblos gefüllt mit ausrangiertem Spielzeug, den man dem nächsten Flüchtlingsheim vor die Tür stellt und sich dabei unendlich „gut“ fühlt.

Es ist die ehrlichere Geste, auf beiden Seiten!

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