Licke Licke Licke

Nun schreibe ich schon mehrere Tage an einem Beitrag zum Tag der Deutschen Kleinheit (!) und komme doch nicht weiter, weil ich wieder einmal viel zu viel zu sagen habe. Und dann schaue ich gestern Abend die Folge „Majority Rule“ der Serie „The Orville“und komme aus dem Staunen nicht mehr raus.

Die Handlung dieser Folge dreht sich um einen Planeten mit einer uns ähnlichen Zivilisation. Die Menschen erhalten zu ihrem 18. Geburtstag ein kleines Gerät, das sie fortan für jeden sichtbar am Oberkörper tragen müssen. Auf dem Gerät sind die bisher im Leben gesammelten und in einem zentralen Register geführten Up- und Downvotes des Trägers für jedermann ersichtlich. In jener Gesellschaft gibt es keine uns ähnliche Legislative und Judikative, die Mehrheitsmeinung bestimmt, welches Verhalten toleriert und welches Verhalten abgelehnt und bestraft wird.

Die Menschen dort tragen ein Smartphone bei sich, mit dem sie Informationen, Fotos und Videos von in ihren Augen mitteilenswerten Meinungen und Verhalten in ein zentrales Informationsnetzwerk hochladen. In einer Art öffentlichem Verfahren, begleitet durch Fernsehshows, urteilt die Bevölkerung durch Up- oder Downvote über Menschen, die eher zufällig und völlig willkürlich in das Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt wurden. Bei Erreichen einer bestimmten Anzahl von Downvotes erhält der Delinquent die Höchststrafe, er wird durch eine maschinelle Gehirnwäsche auf „gut und zufrieden“ zurückgesetzt.

Erinnert sich noch jemand an den Mann mit dem Deutschland Hütchen, der als Demonstrationsteilnehmer eigentlich nicht mehr wollte, als nicht individuell in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden und am Ende seinen Job verlor? Oder das Chemnitz-Menschenjagd-Video, von dem die breite Öffentlichkeit bis heute nicht weiß, was es eigentlich so genau zeigt? Trotzdem hat sich dazu in Windeseile über ein geschmeidiges Miteinander von sozialen Netzwerken und Medien eine öffentliche Meinung gebildet, die die Regierenden, in einer schier rastlosen Jagd nach Upvotes bei der nächsten Sonntagsfrage, zu fragwürdigen Maßnahmen trieb und treibt.

Und selbst die alternativen Medien sind nicht frei davon, wurden doch gestern in einem Beitrag auf Achgut.com zum (Un-)Verständnis für AfD-Wähler die Up- und Downvotes zu Artikeln in der Welt von Alan Posener und Henryk M. Broder gegenübergestellt, als sagten sie irgendetwas Repräsentatives aus.

The Orville zeigt auf sehr unterhaltsame Weise, wie emotionsgetrieben und manipulationsanfällig diese Form der Demokratie ist. Natürlich siegt am Ende der gesunde Menschenverstand, in dem er das System mit den eigenen Waffen schlägt. Auf der Leinwand gibt es halt immer ein Happy End.

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