Der Möllemann-Chip

Als ich kürzlich (eher unfreiwillig) eine kleine Hotel-Gästeseife ans Waschbecken legte, wurde mir plötzlich bewusst, wieviel weniger Müll und Transportaufwand feste Seife verursacht. Ich überlegte, wann eigentlich die Flüssigseife flächendeckenden Einzug in unsere Wohnung gehalten hat. Ich erinnere mich an Werbung aus den Siebzigerjahren, die mit einem fast atemlosen duschdas-duschdas-duschdas unterlegt war, an Litamin, dessen sanfter Schaum einen beim Bade umhüllte und Schauma-Schampoo, das das Haar viel kräftiger machte. All diese Reinigungsmittel waren damals schon flüssig in Plastik verpackt.

Aber Seife war in jener Zeit das Stück Fa, von dem mit einem Messer, warum auch immer, ein Streifen abgeschnitten wurde. Selbst in den Neunzigerjahren habe ich die Seifenschale im frisch modernisierten Bad mit einem Stück Seife ausgestattet. In den 25 Jahren dazwischen wurde Flüssigseife zum Standard.

Nun befällt mich ab und an der Wunsch nach einfachem Leben und Müllvermeidung und ich merke, dass auch in meinem Umfeld die Bilder vom Plastikmüll im Meer und die Berichte über Mikroplastik im Fisch ein Umdenken provozieren. Plötzlich liegen an den Waschbecken wieder Seifenstücke und die batteriebetriebenen Sensor-Seifenspender verschwinden schamhaft im Schrank.

Heute habe ich in einer der großen Onlinezeitungen unter „Lifestyle“ eine Übersicht der verrücktesten Fasten-Angebote gesehen. Da wurde gnadenlos alles in einen Topf geworfen, ein wenig Gehässigkeit darüber geschüttet und mit dem ausgestreckten Finger  auf all die Bekloppten gezeigt, die auf irgendwas Modernes verzichten. Dieser Verzicht wurde Hype genannt. Plastik-, Müll- und Konsumfasten gehörte dazu. Hähähä…

Seit wir diesen jungen Hund haben, gehen wir sehr viel bewusster über die Straße, nichts ist vor ihm sicher. Flaschenverschlüsse, Bonbonfolien, Wasserbombenluftballons,  Plastikscherben, alles wird entdeckt und in die Schnauze genommen. Wenn man einmal darauf achtet, erkennt man erst, wieviel Plastikmüll auf unseren Straßen, an Wegesrändern und auch in der freien Natur liegt.

Und jedes Stück Plastik, das ich aus der Hundeschnauze ziehe oder vielleicht vorher entdecke und den Fuß darauf stelle, macht mich ein Stück nachdenklicher. Nach den Berichten über den Nachweis von Mikroplastik in Stuhlproben hatte ich vorgestern den leibhaftigen Beweis für Makroplastik im Hundekot: Einen roten Einkaufswagenchip.

Konsum- und Plastikverzicht sollte kein belächelter Hype sein. Ein bewussterer Umgang mit Ressourcen ist das, womit jeder von uns seinen eigenen kleinen Beitrag leisten kann! Packen wir es an!

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