der weibliche Irrsinn

Beim abendlichen Spaziergang mit dem Hund traf ich zur besten heute-Zeit auf ein jammerndes kleines Mädchen, das tapfer im Dunkel neben einem Auto stand. In hektischen Schritten umkreiste eine nicht mehr ganz so junge Frau das Fahrzeug, zog noch dies und jenes hinter den Sitzen und aus dem Kofferraum hervor, griff dann recht vollgepackt und ungeduldig nach der kleinen Hand und zog das Kind den Weg entlang Richtung Häuserreihe.

Die Frau trug noch „Business“, hatte die praktische große Handtasche über der Schulter, in die auch DinA4 breit reinpasst, die Laptoptasche am Arm, darüber das typische Paket aus der Reinigung (fünf Blusen, ein Blazer) und neben dem Kind noch eine Glitzer-rosa-bunte Kindergartentasche an der Hand. Das Gesicht war noch angespannt und verzerrt als sie den Hund erblickte, der dem hektischen Treiben, mittlerweile sitzend, interessiert zusah.

„Oh“, rief sie aus, „schau mal, ein großes Hundebaby! Der sieht freundlich aus, komm, lass uns ihn streicheln!“ Ihr Gesichtsausdruck hatte gewechselt. Unverhofft der Stunde Qualitätszeit mit Kind noch ein gemeinsames Tiererlebnis hinzufügen zu können hätte den Tag geadelt: Ihr müdes Gesicht strahlte ein wenig.

Für mich war diese Begegnung wie der Blick in einen Abgrund, in dem ganz tief unten ein Spiegel liegt. Unzählige Male bin ich genau so nach Hause gekommen, habe Kinder ungeduldig hinter mir hergezogen, beim hektischen Zubereiten eines gesunden Abendbrotes noch Kindergartengeschichten gelauscht oder Hausaufgaben kontrolliert. Todmüde fröhliche Kinderlieder gesungen, Geschichten vorgelesen, Grimassen geschnitten und doch insgeheim immer geahnt, dass die zwei Stunden am Abend nicht die über zehn Stunden tägliche Abwesenheit ersetzten können.

Ich bin umgeben von Frauen, die diesen Irrsinn versuchen und sich aufreiben zwischen Beruf und Familie. Das sind Frauen, die wie tapfere Zombies im Hosenanzug durchs Leben stöckeln und sich einreden, dass es genau das ist, was sie immer gewollt haben. Dabei will man für sie, sie merken es bloß nicht.

Heute aktuell auf der Seite des BMFSFJ („Frauen und Gedöns“) aus einer Rede von Frau Dr. Franziska Giffey zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“

„Heute geht es um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Aufwertung der sozialen Berufe und um den Schutz vor Gewalt. Es ist wichtig, dass Frauen wählen gehen. Genauso wichtig ist, dass sie für politische Ämter kandidieren und gewählt werden. Dann bewegt sich nämlich mehr für Frauen. Gleiche Chancen für Frauen und Männer sind gut für die Demokratie.“

Wer kämpft für die Rechte von Frauen, die die Schnauze voll davon haben, dass sie immer mehr von allem haben wollen sollen?

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