was kommt danach?

Schon wieder ein Frauenthema. Eher ein Familienthema. Am meisten ein Beitrag zu den Themen Volksverdummung seitens der Politik, den dienlichen wissenschaftlichen Instituten, den Medien und uns Schafen.

Kinder kommen in aktuellen Diskussion nur in zwei „Aggregatzuständen“ vor. Solche, für die man die U3 Betreuung ausbauen muss und solche, die beim internationalen Schülervergleich dafür sorgen, dass Deutschland weiter hinten landet. Zwischen U3 Betreuung und PISA liegen zwölf Lebensjahre eines Kindes.

Das ganze Geschwafel von Vereinbarkeit und zur Erleichterung derselben basiert immer auf einer Anhebung der Qualität der Kita-Betreuung. Hier holen wir die Kinder ab, sorgen für Chancengleichheit durch Bildung, deren Vermittlung sich für die Vermittler auch finanziell lohnen soll, vermitteln Sprache auch dort, wo sie im Elternhaus so nicht gesprochen wird und sorgen ganz nebenbei dafür, dass Frauen schnell und unbesorgt wieder vom Herd („pfui“) in den Beruf („super“) zurückkehren können.

Alles ganz easy, oder? Ich habe das damals so geglaubt und gedacht, da war ich noch mit dem ersten Kind schwanger, dass mit dem Finden eines Tagespflegeplatzes ab dem ersten Geburtstag alle Betreuungsprobleme gelöst seien. Heut frage ich mich oft, wie ich so einfältig sein konnte.

Aber der Reihe nach. Ich besuchte wieder einmal die Webseite von Frau Dr. Giffeys Ministerium und fand die folgende Broschüre: „Kindertagesbetreuung Kompakt. Ausbaustand und Bedarf 2017“. In dieser Broschüre widmen sich ganze 3 von 43 Seiten der Betreuung von Grundschulkindern. Das sind die Kinder, die die ersten zwei Jahre gegen halb zwölf aus dem Klassenzimmer geschubst werden und zunächst nicht einmal alleine nach Hause gehen können. Spätestens mit der Einschulung endet daher für die meisten Eltern die ganze Pracht der Vereinbarkeit!

Ich merke schnell, dass ich beim BMFSFJ („Frauen und Gedöns“) nicht fündig werde und wechsle zum Angebot des DJI (Deutsches Jugendinstitut), die meiner vorgenannten U3 – PISA – Lücke dadurch Rechnung tragen, dass sie eine Kinderbetreuungsstudie betreiben, die den Zeitraum bis zum 14 Lebensjahr bzw. dem Ende der Sek.I berücksichtigen. Immerhin befassen sich hier gut 24 von 90 Seiten mit der Betreuung von Schulkindern.

In den vielen bunten Grafiken und blumigen Worten zeigt sich, dass eigentlich alles super gut ist, 62 % der (befragten) Eltern in Deutschland haben einen Betreuungsbedarf und nur 46% haben keine institutionelle Betreuung, wonach die Lücke nur 8 % wäre, ließe man die Eltern einmal außen vor, die sich gerne längere Betreuung wünschen aber immerhin irgendeine Art von institutioneller Betreuung haben.

Hier klafft jetzt leider der Worte Klang und meine persönliche Erfahrung meilenweit auseinander und wenn ich weiter blättere stelle ich fest, dass die Feststellung einer allseits beglückenden Betreuungssitutation u.a. aus folgenden Befragungen resultiert: „…Aus diesem Grund bleiben die Auswertungen an dieser Stelle auf jene 387 Kinder beschränkt, die bislang kein institutionelles Betreuungsangebot in Anspruch nehmen, deren Eltern aber angeben, einen ungedeckten Betreuungsbedarf zu haben.“ Hier wird also ein rosiges Bild für die Betreuung von knapp 2,8 Mio. Grundschülern in Deutschland aus den Angaben der Eltern von 387 Kindern abgeleitet?

Für die Kinder an weiterführenden Schulen ergeben sich Betreuungsbedarfe zwischen 56% bis knapp 40 % (Bedarf mit zunehmenden Kindesalter abnehmend, finde ich nicht unlogisch) und einem Durchschnitt von 47 %. Im Jahr 2016 gaben 61 % der Eltern an, kein institutionelles Betreuungsangebot wahrzunehmen. Auch hier bleibt es damit bei einer rechnerischen Lücke von 8 %, die Studienmacher geben sie mit 10 % an.

Wo will ich hin? Die Probleme entstehen da, wo Kinder dem Kindergarten entwachsen. Entgegen all der blumigen Worte kommt ein sechsjähriges Kind, selbst wenn es zu der glücklichen Hälfte der institutionell Betreuten gehört, nicht um vier Uhr nach Hause und alles ist gut. Das Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen sind mühsame und quälende Prozesse, die nicht in den üblichen zwanzig Minuten Hausaufgabenbetreuung von 26 Kindern durch eine (oft fragwürdig qualifizierte) Betreuerin täglich ausreichend abgedeckt werden können. Auch betreute Schulkinder kommen nach Hause und die Hausaufgaben sind nicht oder nur schlecht gemacht. Dann sitzt man dort mit einem sehr müden Kind, das einen durchschnittlichen Arbeitstag von 8 Stunden hinter sich gebracht hat und fängt an Buchstaben zu malen oder Zahlenplättchen zusammenzurechnen.

Mit dem Übergang auf die weiterführende Schule wird das Problem nicht kleiner. Egal ob Ganztagsschule oder Hort im Angebot sind. Das Lernen zu lernen muss zuhause unterstützt werden, egal welchen pädagogischen Irrsinn von Inklusion und Gesamtschule wir hier gerade hinterherrennen. Über den fragwürdigen Ansatz, dass sich bereits zehnjährige Kinder über wochenlanges Selbststudium den Lernstoff aneignen sollen, habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.

Ich persönlich glaube, dass es einen ganz direkten Zusammenhang zwischen politischer Vereinbarkeitslüge, realer Vereinbarkeitsfalle, mangelhafter Betreuung, sich selbst überlassenen Schülern und den mittelmäßigen PISA Ergebnissen gibt, die sicher nur die Spitze des bildungsmiesen Eisbergs sind. Beste Voraussetzungen für die Zukunft eines rohstoffarmen Landes…

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