betreutes Surfen im Zwischennetz

Da hat ein, zumindest vom Namen her, nebulöses Institut DIVSI (Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet) mit Hilfe eines Instituts für Markt- und Sozialforschung eine Studie durchgeführt und veröffentlicht.

Dabei ist das eine Institut der „Idee“ eines Vorstands der Deutschen Post DHL Gruppe entsprungen und wird auch ganz überwiegend von denen gesponsert. Das sind diejenigen, die über einen gigantischen Vorrat an Adress- und Logistikdaten verfügen, die sie gerne gebührenpflichtig an den interessierten Markt bringen würden:

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Auszug Screenshot deutschepost.de

Ich finde jetzt nicht überraschend, dass es denen aus recht banalen wirtschaftlichen Interessen ein Dorn im Auge sein muss, dass all die Googles, Facebooks, WhatsApps und Amazons dieser Welt so leicht an viel, viel besseres Datenmaterial kommen.

Wen kann es da wundern, dass die von DIVSI in Auftrag gegebenen Studie mithilfe eines ganzen Füllhorns voll Psychologen, Medienforschern, Soziologen und Erziehungswissenschaftlern zufällig zu dem Schluss kommt, dass die befragten jungen Menschen mehr Risiken im Internet sehen, Angst davor haben, dass das Internet künftig eine noch größere Rolle spielt und sich vor Cyber-Mobbing fürchten. Meine persönliche Lieblingsministerin der gefühlten Volkspartei aus meinem ganz persönlichen Lieblingsministerium springt daraufhin ganz von selbst und gern über das feilgebotene Stöckchen:

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd. Wenn junge Menschen sich im Internet nicht einmal mehr trauen, ihre Meinung frei zu äußern, dann ist das ein erschreckendes Signal. Sie brauchen Unterstützung und Begleitung, damit sie das Netz unbeschwert nutzen können. Und wir brauchen ein modernes Jugendmedienschutzgesetz, das Teilhabe, Befähigung und Schutz zugleich sichert. Daran arbeiten wir gerade. Anbieter müssen ausreichende Sicherungs- und Meldesysteme bereitstellen und Eltern benötigen mehr Transparenz darüber, welche Angebote und Apps für ihre Kinder geeignet sind und welche nicht. Auch gegen Betreiber im Ausland müssen diese Anforderungen künftig durchgesetzt und Verstöße eventuell sanktioniert werden.“

Bildschirmfoto 2018-11-20 um 12.07.08Also, als allererstes erinnert es mich an das „Stopp“ Schild, das Frau von der Leyen, die es ja in ihrer aktuellen Position auch nicht so drauf hat, damals hochgehalten hat (Screenshot aktuelle Meldung 17.04.2009 bmfsfj.de).

Und die Forderung nach Sicherung- und Meldesysteme (das sind die neu erwachten „Internetsperren“ ergänzt um Denunziation), Jugendmedienschutz und Sanktionen gegen Betreiber im Ausland zeugt von ähnlicher Fachkompetenz, wie die freudige Feststellung von Frau Baerbock, Strom jetzt in der Cloud zu speichern, aber sei es drum.

Bei der blumigen Wortwahl von der „unbeschwerten“ Internetnutzung und der Schaffung eines neuen Gesetzes, welches „Teilhabe, Befähigung und Schutz zugleich sichert“ bin ich doch gedanklich gleich bei dem ähnlich kompetenten Minister der selben gefühlten Volkspartei, der uns seinerzeit das „Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz“ beschert hat (ein Zufall, dass die Stoßrichtung ähnlich ist?) und ein Herr von den Grünen, jetzt Minister in Schleswig Holstein, damals noch EU Abgeordneter über Listenplatz, der mit seinem Beitrag zum EU-DSGVO dafür sorgte, dass uns fast täglich Ärzte seitenlange Einverständniserklärungen unterschreiben lassen müssen und die Hälfte der Blogger im vorauseilendem Gehorsam das Handtuch geworfen haben.

So zieht sich die Schlinge täglich enger um unsere Meinungs-, Rede- und Informationsfreiheit und wir Schafe blicken auf (sehr gutes Buch!) und schweigen…

Lektion 2 von Herrn Timothy Snyder in „Über Tyrannei“: „Verteidige Institutionen! …Institutionen schützen sich nicht selbst. Sie stürzen eine nach der anderen, wenn nicht jede von ihnen von Anfang an verteidigt wird. Such dir also eine Institution, die dir am Herzen liegt -ein Gericht, eine Zeitung, ein Gesetz, eine Gewerkschaft-, und ergreife für sie Partei.BT