die Kuh macht muh

Als ich vor ein paar Tagen merkwürdigen Aufwand bei der Vorbereitung der Schulbrotdose betrieb und den Müsliriegel auspackte, bevor ich ihn einpackte, sah ich ich mich ob der ungläubigen Blicke zu einer Erklärung genötigt:

„Heute macht der kleine Sohn einen Ausflug. Dorthin, wo man Stadtkindern zeigt, dass Äpfel auf Bäumen wachsen, Milch aus dem Euter kommt und Chicken Nuggets irgendwann einmal auf zwei Beinen über den Hof gelaufen sind! Das Frühstück muss müllfrei sein, sonst gibt es keine Preis für die Klasse.“

Es ist die Art von Ausflug, die bei uns gähnende Langeweile auslöst. Auf unserer minimini Stadtparzelle haben wir fünf verschieden Obstbäume, sechs Beerensorten, drei Erdbeersorten, Weinreben, einen Kräuter-/Teegarten, in diesem Jahr erstmalig Kartoffeln und natürlich unsere Hühner und Wachteln.

Als einem Sohn bei einem ähnlichen Schulausflug ein Blumentopf mit einer kümmerlichen Zitronenmelisse hingehalten wurde, damit er einmal ein Blättchen zwischen den Fingern zerreibt, hat er die Naturpädagogin nur mitleidig angelächelt. Es war ein gefühlter Crocodile Dundee Moment: „Das ist doch keine Zitronenmelisse. Zuhause haben wir Zitronenmelisse!“

Auf dem Weg zur örtlichen Grundschule kommen wir an einer kleinen Weide vorbei, auf der drei Kühe stehen. Mitten in der Stadt. Die Schulkinder lieben die Tiere und viele Erwachsene geniessen das friedliche Bild am Morgen, bevor sie in den Trubel des Arbeitstages starten.

Heute morgen auf dem Schulweg rief vor uns ein Mädchen: „Oh, die Kühe sind weg“. Und nach einer kurzen Pause fragte sie: „Mama, was fressen Kühe eigentlich?“

Die junge Mutter schob mit der einen Hand einen Kinderwagen und blickte kurz vom Handy auf, das sie in der anderen Hand hielt: „Gemüse!“, sagte sie.

 

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