Der Lack ist ab

An manchen Tagen gehe ich durch meine Welt und die vollmundigen offiziellen Verkündungen klingen im Hinterkopf wie blanker Hohn.

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Ich weiß, ich bin da vielleicht zu einfach gestrickt. Ich verstehe darunter nicht die Arbeit von 10.000 Elternbegleiterinnen & Elternbegleitern zu loben, inklusive Angebote in der internationalen Jugendarbeit zu stärken (Häh?) oder gutes Aufwachsen mit Medien zu projektieren (wem nützt das außer irgendwelchen Instituten und der Druckerei der Hochglanzbroschüre?). Ich verstehe darunter, z.B. Bildungseinrichtungen angemessen auszustatten und zu pflegen. Damit wäre allen Kindern in diesem Land schon einmal viel geholfen.

Aber es fängt ja bereits beim Schulweg an, dass das obige Geschwätz nicht mehr interessiert. Und so kommt es in unserem kleinen Stadtteil täglich zu gefährlichen Situationen, weil die Infrastruktur von den Verantwortlichen (Stichwort: Armlänge-Abstand-Reker und all ihre Vorgänger) nicht und wenn, dann ohne Weitblick, an die genehmigten Wohnbebauungen angepasst wurde.

Eine Straßenbahnlinie, die die Achse Köln-Bonn verbindet, führt durch den Stadtteil und trennt ihn in vielerlei Hinsicht in zwei Hälften. Die Haltestelle ist morgens um kurz vor acht im Minutentakt Umschlagplatz für hunderte von Menschen. Die Kinder von insgesamt sieben Kindergärten, einer Grundschule, dazu die Pendler zu zwei Gesamtschulen und einem Gymnasium kreuzen hier die Schienen. Kurz dahinter eine Buslinie, die den Stadtteil direkt mit der Universität verbindet und eine spezielle Form der abknickenden Vorfahrt, bei deren Querung der Verkehr aus vier Richtungen beachtet werden muss, runden das Verkehrswunderwerk ab.

Versuche der Eltern, einen Lotsendienst einzufordern, wurden aus Kostengründen abgelehnt. Vorschläge, an den besonders gefährlichen Querungen Zebrastreifen oder Bodenschwellen anzubringen, wurden mit Hinweis auf einen existierenden Zebrastreifen an anderer Stelle (den niemand nutzt) abgelehnt.

Stattdessen gab es vor einigen Jahren eine Ortsbegehung und irgendein kluger Mensch hat sich den „optimalen Schulweg“ ausgedacht. Da kein normaler Mensch (und schon gar kein Kind) diesen Weg freiwillig als solchen erkennen und gehen würde, hat man mit ein paar Eimern Farbe und Schablonen die beschlossene Maßnahme zur Verbesserung der Schulwegsituation kostengünstig umgesetzt.

Na, da schickt man sein Kind doch gleich viel beruhigter zur Schule, nicht wahr?

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