nicht für mich gemacht

Das Arbeitsleben bringt es so mit sich, dass unser Haushalt digital auf dem neuesten Stand ist. Lichter gehen automatisch an, sobald man den Raum betritt und je nach Tageszeit leuchten sie heller oder dunkler. Es stört mich nur gelegentlich, immer dann, wenn ich zu lange unbewegt verharre, dass das Licht ungewollt erlischt. Aber das lässt sich mit ein wenig affigem Gefuchtel schnell wieder richten.

Ein Saugroboter fährt nach genauem Programm mehrmals wöchentlich seine Runden. Und wenn man dies morgens nicht im Hinterkopf hatte, verschluckt er sich tagsüber an einer vergessenen Socke und man findet den Roboter abends erschöpft mit heraushängender Socke und verknickten Tastärmchen irgendwo im Raum vor. Wo man als Mensch mit einem normalen Staubsauger in drei Minuten fertig wäre, lärmt der Saugroboter mindestens eine Stunde nach Zufallsprinzip (Anschlag, viertel Drehung links, weiter) herum und hat am Ende den Dreck doch nur gleichmäßig verteilt. Dafür muss man ihn wöchentlich auseinandernehmen und grundreinigen, da die filigrane Technik sonst sehr schnell streikt. Und ein paar lange Haare auf dem Boden können eine mittlere Roomba-Katastrophe auslösen.

Natürlich wohnt bei uns auch Alexa. Sie und ihre Schwestern sind im ganzen Haus verteilt und sie hören ständig mit. Da sie bei allen Familienmitgliedern ein steter Quell des Ärgers sind, fällt ihr Name häufiger. Daraufhin unterbrechen sie den Redeschwall mit sinnlosen Sätzen wie: „Entschuldigung, das weiß ich leider nicht!“ oder „ich konnte ´die ist so doof` nicht in deiner Musikbibliothek finden“.

All diese Dinge, die das Leben vereinfachen sollen, erschweren es oft nur. Diese Dinge sind für kinder- und haustierlose Singlehaushalte entwickelt. In den meisten Apps zu diesen Geräten ist nicht vorgesehen, dass es mehr als einen Nutzer im Haushalt gibt. Die Lichtsteuerung kann nur von einem Account gesteuert werden. Dort gibt es auch sinnvolle Einstellungen wie „wenn das Handy das Haus verlässt, schalte überall das Licht aus“. Leider funktioniert es nur mit einem einzigen Handy im Haus. Da geht der Mann aus dem Haus und Frau und Kinder sitzen im Dunkeln, oder wie? Programmiertechnisch wäre es sicher ein Leichtes mehrere Geräte anzukoppeln und nur dann das Licht auszuschalten, wenn sich keines der Geräte mehr im Haus befindet. Leider kamen weitere Hausbewohner in der Lebensrealität des Entwicklers offenbar nicht vor.

Und die Steuerung eines ganzen Hauses, mit vielen Zimmern, entsprechend vielen Leuchten und unterschiedlichen Programmen kommt ganz schnell an Grenzen, die von jeder Kleinstfamilie gerissen werden. Da haben die Entwickler wohl nicht über den Tellerrand ihrer eigenen Lebensrealität hinausgeschaut.

Auch die Alexas lassen sich über eine App steuern. Das ist sinnvoll, weil sie nicht immer das gesprochene Wort verstehen. Und unsere unterschiedliche Vorstellung von der korrekten Aussprache der Titel englischer (völlig undenkbar: französischer) Musik führt oft nicht zum Erfolg. Bei Musiktiteln außerhalb der aktuellen Top 100 scheitert es auch häufig genug auf deutsch. So steht man entweder brüllend vor der Alexa und hört doch immer wieder eine atemlose Helene Fischer statt ELENA mit Wut im Bauch oder man versucht es mit der App. Dabei ist die App von Alexa so wenig komfortabel, dass sie für nichts taugt und niemand weiß, warum es sie gibt.

Der Streamingdienst selbst bietet eine Familienversion. Zwei Erwachsene, drei Kinder gelten als das Maximum einer im Amazon-Universum denkbaren Familie. Über die App des Streamingdienstes nun könnte man komfortabel suchen und seine jeweilige Wunschmusik von der Alexa spielen lassen. Könnte, denn jede Alexa kann nur zu einem Account gehören und nicht von einem anderen Account angespielt werden. Auch hier haben die Entwickler wohl, ihrer vermuteten Lebensrealität entsprechend, die zwei-Raum-Wohnung mit einem einzigen einsamen Nutzer einer einzigen einsamen Alexa vor ihrem inneren Auge gehabt.

Traurige, einsame neue Welt!

IMG_6018