früh lernt sich Schweigen

Ich hatte bereits im Beitrag „Herr Absurd aus Schilda macht Schule“ meine Gedanken zum NRW Schulirrsinn kundgetan. Nun geht das Thema Lernbüro in die nächste Runde und in einer medialen Umwelt, in der meist nur noch das ausgesprochen werden darf, was der von oben vorgegebenen Meinung entspricht, macht mich das aktuelle Geschehen sprachlos.

Da quälen sich nun Kinder durch eine modifizierte Lernumgebung, in der von ihnen erwartet wird, dass sie sich ein Viertel des Lernstoffs der Hauptfächer selbst beibringen. Verstehen sie etwas nicht, müssen sie ihre Fragen schriftlich formuliert einreichen und irgendwer hat irgendwann genug Zeit und Muße und beantwortet die Frage. Und nach ca. 8 Wochen sollen sie dann in der Klassenarbeit zeigen, dass sie auch alles brav verstanden und gelernt haben.

Die Kinder sind wenig angetan und viele sind hochgradig frustriert. So frustriert, dass sich Schulmüdigkeit bereits in der fünften und sechsten Klasse breitmacht. Weit entfernt von Lernspaß, individueller Förderung und angeleitetem Lernen irren sie durch ein unüberschaubares Aufgaben- und Literaturdickicht zum Selbststudium. Kein Wunder also, dass sich ein Grüppchen aufmachte, die Erfahrungen mit dem neuen Modell in Form einer Schülerbefragung einzusammeln und das Ergebnis der Umfrage in der Schülerzeitung zu veröffentlichen.

Die Vorbereitung der Befragung lief im Rahmen einer Pflicht-Arbeitsgemeinschaft und von Lehrern begleitet. Rund 300 Fragebögen waren gedruckt und der Tag der Befragung gekommen, als von der zuständigen Leitung ein Schüler völlig unvorbereitet herbeizitiert und freundlich aber bestimmt vom Unterlassen der Befragung überzeugt wurde.

Ich rede nicht von rüpelhaften Oberstufenschülern, die so etwas vielleicht locker wegstecken. Ich rede von 11/12 jährigen Kindern, denen so früh im Leben kritisches Engagement in einer Gesprächssituation, die auch jedem Erwachsenen das Fürchten lehren könnte, ausgetrieben wurde.

Warum das alles? Weil in der Befragung herauskommen könnte, dass das Modell erhebliches Optimierungspotenzial aufweist und die Kinder unzufrieden damit sind, dass ihnen nichts mehr beigebracht wird. Und erst einmal in der Schülerzeitung veröffentlicht, könnte das Desaster die Runde bis in die Schulbehörde machen, wo man sich vielleicht noch vor ein paar Monaten für den Quatsch hat feiern lassen.

Das entspricht doch im Kleinen genau dem, was wir täglich im Großen erleben. Unbequeme Wahrheiten werden stigmatisiert und solange wie möglich unter den Teppich gekehrt. Statt frühzeitig Fakten und offensichtlichen Fehlern ins Gesicht zu schauen, wird weitergemerkeltwurschtelt was das Zeug hält und solange es die Gesinnungszensur zulässt.

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