nachhaltige

Ein wenig bin ich Greta Thunberg dankbar. Wo immer sie herkam, wer auch immer sie für ihre Mission gecastet und ausgestattet hat, sie hat uns medial befreit. Kein Plastikmüll ist mehr in den Weltmeeren. Schon seit Wochen sind keine Bilder von schwimmendem Unrat und sterbenden Tieren mehr in den Medien zu sehen.

Stattdessen sieht man, neben dem bezopften Mädchen, dessen Haartracht uns das Annetta Kahane Umfeld noch vor kurzem als todsicheres Nazi Erkennungszeichen offerierte, picklige Wohlstandspubertäre. Diese schwänzen die Schule, hüpfen gegen Kohle und laden die im selbstverliebten Überheblichkeitstaumel geschossenen Selfies in ihre hirnbefreite Wolke Gleichgesinnter.

Im Tal der nicht demonstrierenden pädagogischen Landschaft ist der Plastikmüll leider noch nicht verschwunden. Hier erzieht man noch tapfer an einer Generation mitlaufender Besserseinwoller oder -müsser. Den Kindern soll nachhaltig vermittelt werden, dass Müll wertvoller Rohstoff ist, den man noch einer sinnvollen Verwendung zuführen kann. Upcycling nennt man es, wenn kleinste Mengen Wohlstandsmüll unter irrwitzigem Ressourceneinsatz einer neuen, meist sinnfreien Verwendung zugeführt werden und kurz darauf doch in der Tonne landen.

In unserem durchschnittlichen Haushalt mit schulpflichtigen Kindern unterschiedlichen Alters ereilt uns nun regelmäßig die Aufforderung, Müll für schulische Projekte zu sammeln. Margarinebecher werden mit heißem Wasser und Spüli ausgewaschen, Kaffeekapseln aufgeschnitten, entleert und gespült, Chipstüten und Käseverpackungen werden gesäubert, Getränkeflaschen und -verschlüsse von Resten befreit. Am Tag des schulischen Einsatzes wird das Ganze in eine Plastiktüte gepackt, vom Kind kritisch beäugt und um ein paar frische, bunte Trinkhalme und Einweglöffel ergänzt, zur Schule transportiert.

Kurze Zeit später überreicht einem das stolze Kind ein fragwürdiges „Etwas“ ohne jedweden praktischen Nutzen. Man erkennt verwundert, dass keines der mühsam gesammelten und mit zig Liter Wasser gereinigten Müllstücke verwendet wurde. Dafür aber der noch mit Milchresten behaftete Kaffeelöffel aus der Mensa für die Antenne des gemalten Hochhauses kindliches Wohlwollen fand.

Die 20 Liter gereinigten Plastikmülls wurden dem schulischen Restmüll zugeführt, oder vom Winde verweht.

Was haben die Kinder aus der Aktion gelernt? Ich weiß es nicht. Was sollten sie lernen? Auch das kann ich nur ahnen. Müllvermeidung und bewusstes Einkaufen jedenfalls nicht. Es scheint mir mehr, dass durch die versammelten pädagogischen Hirne die Idee huschte, dass man das Thema „Müll“ irgendwie aufgreifen müsse, und dass es gut in das Gesamtkonzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ passt.

Dazu nun gibt es neben Ministerialerlassen und Curricula viele bunt bebilderte Broschüren, die in hochtrabendem Blabla irgendeinen Bildungsauftrag anpreisen. Lehrer werden mit öffentlich finanzierten Fortbildungsangeboten für die Vermittlung der Lerninhalte geschult und Schüler von selbstgefälligen öffentlich geförderten Instituten zusätzlich nachhaltig unterrichtet (siehe hier: die Kuh macht muh).

Und gaaaaanz am Ende der akademischen Gedankenkette steht ein Kunstprojekt mit Plastikmüll. So einfach, so schlecht, so irre.

Entlang des Schulweges lässt sich übrigens ganz wertfrei der Erfolg und die erzieherische Wirkung derartiger Bildungsangebote ablesen:

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