zweierlei Maß

Ich habe gestern einen Beitrag des RBB gesehen, bei dem es um die Anmeldung an den Oberschulen für Sechstklässler ging. Begleitet wurde ein Mädchen, das sich im letzten Jahr besonders angestrengt hat, um sich mit einem Notendurchschnitt von 1,2 an seinem bevorzugten Gymnasium aussichtsreich anmelden zu können.

Das war jetzt natürlich kein „normales“ Mädchen, sondern eines aus besserem Hause, begleitet von einer reiferen Mutter. Die Mutter ließ sich nun darüber aus, dass dieser Leistungsdruck für Kinder in diesem Alter nicht so gut sei und das Kind war artig und eloquent bemüht zu betonen, dass es sich diesem Druck aus eigenen Stücken unterworfen hätte und die Eltern ihr bei der Schulwahl freie Hand gewährt hätten.

Im weiteren Verlauf des Beitrags kam auch die Schuldirektorin zu Wort. Diese wies darauf hin, dass an ihrer Schule der Anteil der Mädchen zwischen 52% und 63% läge, was der Entwicklungspsychologie geschuldet sei. Schon fasst abstoßend jovial fügte sie dann noch hinzu, dass die jungen Männer das dann im Laufe ihres Bildungsweges ganz locker wieder aufholten.

Ich stutze bei dieser Aussage, nicht nur wegen der Art, in der sie vortragen wurde. Denn wenn ein Kind aufgrund (entwicklungspsychologisch erklärbarer) schlechterer Noten nicht an einem Gymnasium angenommen wird, dann ist der direkte Zug zum Abitur erst einmal abgefahren. Auf diesem Bildungsweg beschreitet man dann zwangsläufig Umwege.

Hinzu kommt, dass das tantenhafte Bildungssystem vom ersten Tag an weibliches Verhalten bevorzugt. Mädchen sind fügsamer, stiller, aufmerksamer und motorisch (vor allem grafomotorisch) besser aufgestellt. Meiner Erfahrung nach fängt ihre Bevorzugung bereits in der Krippe an, während das typische jungenhafte Verhalten von Erzieherinnen und Lehrerinnen als lästig und unbequem empfunden und damit als allgemeines Fehlverhalten abgelehnt wird. Chancengleichheit? Fehlanzeige vom ersten Tag der fremdbetreuten Bildung an!

Ich verstehe das nicht. Überall wird gefordert, dass Frauen und Männer (und alles dazwischen) gleiche Chancen auf Teilhabe an allem Möglichen haben sollen. Die Umsetzung dieser Chancengleichheit wird ausschließlich daran gemessen, dass Mädchen und Frauen überall zu 50% vertreten sind (Aufsichtsräte, Parlamente, Feuerwehr, Polizei, Behördenleitungen, Vorstände usw.). Ist dies nicht gegeben, gibt es ein großes Wehklagen. Außer dort, wo die Mädchen und Frauen nicht hinwollen, weil es eklig, dreckig, kalt, körperlich anstrengend oder superschlecht bezahlt ist. Das lässt man in all den Diskussionen gerne unter den Teppich fallen. Aber sei es drum.

Wo Mädchen und Frauen aufgrund von bestehenden Zugangsvoraussetzungen bisher keine Chancen hatten, werden diese aufgeweicht. Auf einmal dürfen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute kleiner und leichter sein. Und man mag sich gar nicht vorstellen, wie so eine 1,65 m große und 50 kg leichte Feuerwehrfrau in kompletter Atemschutzmontur einen 90 kg Mann aus einer brenzligen Situation rettet.

Aber wenn Jungs und Männer benachteiligt werden, dann zuckt die emanzipierte Welt mit den Schultern und sagt: „Tja, so ist es halt. Aber die schaffen das schon irgendwie anders!“

Das ist bigottes Messen mit zweiterlei Maß, wenn es nur den Richtigen trifft!

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