Richtige Männer

Heute habe ich über einen Blogbeitrag diesen Sachverhalt gefunden (Alsdorf), der zum Schmunzeln und Nachdenken anregt.

Seit einigen Jahren werden Kinder bereits ab dem Kindergartenalter in gewaltfreier Konfliktbewältigung geschult. Spezielle Teams aus Theaterpädagogen, Schauspielern und/oder Sportlehrern kommen hierzu  in regelmäßigen Abständen in die Kindergärten und Schulen. Die Programme tragen blumige Namen und werben z.B. damit, dass sie Kinder „stark und fair“ machen oder den Schülern „positive Körpersprache, Einfühlungsvermögen, Selbstbewusstsein und Zivilcourage“ vermitteln. Da sie sich in der Regel mehrstufig über verschiedene Schuljahre erstrecken, sind sie für die Anbieter derartiger Programme auch eine sichere und dauerhafte Einnahmequelle.

Denkanstoß: Etwa 100.000 Schüler besuchen Kölner Schulen. Vom Kindergarten bis zur zehnten Klasse besucht ein Kind etwa 8-10 solcher Einzelveranstaltungen. Der Elternbeitrag je Veranstaltung liegt bei rund 10 Euro. Der Rest in gleicher Höhe wird meist von den Fördervereinen beigesteuert. Das macht etwa 2 Mio. Euro Umsatz im Jahr, allein für das Kölner Stadtgebiet…

In der Grundschule wird den Kindern beigebracht, dass sie zunächst drei Mal selbst versuchen den Konflikt zu bewältigen, bevor sie eine Aufsicht rufen. In der Praxis sieht das so aus, dass der A. die B. auf dem Schulhof haut, die B. die rechte Hand in Richtung Aggressor ausstrecken und laut rufen soll: „Stopp!“ Der A. kann dann die B. noch zwei weitere Male hauen, ohne dass ihm etwas passiert. Erst dann darf die B. zur Aufsicht laufen, macht sie es früher, wird sie gescholten und die Aufsicht unternimmt nichts.

In der weiterführenden Schule bringt man den Kindern bei, Leib und Leben im Konfliktfall dadurch zu schützen, dass man sich der Situation durch geordnetem Rückzug entzieht. Hierzu gibt es Theaterstücke und Rollenspiele mit anschließender Diskussion.

Dialog im Rahmen der zweiten Einheit eines Gewaltpräventionstrainings, durchgeführt in der siebten Klasse einer weiterführenden Schule:

Trainer: „Ihr seid abends auf dem Heimweg und werdet von einem Typen bedroht, der euer Handy haben möchte. Wie verhaltet ihr euch?

Schüler (Muslim, Migrationshintergrund, Wohnort im sozialen Brennpunkt): „Ich hau` ihm auf die Fresse und gehe weiter!“

Trainer: „Aha, hm, und wenn er größer und stärker ist als du?“

Schüler: „Dann ruf ich meinen Bruder an.“

Trainer: „Und wenn er ein Messer hat oder noch einen Kumpel dabei?“

Schüler: „Dann kommen mein Onkel und mein Cousin auch noch dazu und wir hauen ihnen gemeinsam auf die Fresse!“

Trainer: „Und was, wenn der dann die Polizei ruft?“

Schüler: „Richtige Männer regeln das unter sich, da ruft keiner die Polizei!“

Wer glaubt wirklich, dass ein paar Lerneinheiten in Gewaltprävention, durchgeführt von einem weichgespülten Schauspieler oder Pädagogen, an diesem Selbstverständnis etwas ändern können? Und wer ist wohl (über-) lebensfähiger im Alltag: Der Achtklässler, der nach einer Lappalie vom Notfallseelsorger betreut werden muss, oder der Siebtklässler, der sich als „richtiger Mann“ definiert?

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