En unserem Elendsviertel

Beim morgendlichen Spaziergang mit dem Hund wurde deutlich, dass zumindest die Jugend der verordneten Stallhaltung dadurch entgeht, dass sie geschützte Winkel im Freien aufsucht und sich in Gruppen trifft. Leider vergisst die Jugend dabei, den Unrat der Feierlichkeit anschließend wieder mitzunehmen und das Umfeld der Feuerstellen im Auenwald umgibt ein Hauch von Slum.

Kinder spielen abseits der Spielplätze und tun Dinge, die sie oft erst neu lernen müssen: Sie bauen Baumhäuser aus Sperrmüll und Hütten aus Treibgut. Die Hinterlassenschaften umgibt ein Hauch von Slum.

Die Erwachsenen beschäftigen sich mit dem, was sie nun 24/7 umgibt, ihrem Zuhause. Die eingesparte Fahrtzeit dehnt die ungewohnt leere Freizeit noch weiter aus. Es wird wie im Wahn renoviert, entrümpelt und gegärtnert. Wo die meisten Wertstoff-Center geschlossen sind, wartet man entweder brav auf den nächsten Sperrmüll Termin oder „erleichtert“ die begrenzten häuslichen Lagerkapazitäten an geeignet erscheinen Stellen. Berge von Sperrmüll säumen mehrmals wöchentlich die Straßenränder. Und auch die Umgebung von Glas- und Altkleidercontainern reiht sich ein in den Hauch von Slum.

Da vieles noch gut und brauchbar erscheint, steht vor jedem dritten Haus ein Karton mit Büchern oder Haushaltsgegenständen und dem fast schon flehentlichen Hinweis „zu verschenken“. Der ein oder andere nimmt dann etwas mit und überlegt sich zwanzig Meter weiter, dass er es doch nicht braucht. So stehen und liegen Tassen, Gläser und Bücher oft herum wo sie nicht hingehören. Solange bis der nächste (Wind oder Kind) sie umweht und ein Haufen Scherben irgendwo liegenbleibt. Dort, wo sich lange niemand darum kümmern wird. So zieht auch die wohlmeinende Geste etwas nach sich: einen Hauch von Slum.

Und wo man viel Rücksicht nimmt und Masken und Handschuhe trägt, tja, da endet die Rücksichtnahme schnell ein paar Meter weiter am Gehwegrand. Latexhandschuhe und Wegwerfmundschutze säumen die Rinnsteine und bringen uns einen frischen Hauch von Slum.

Mein Stadtviertel hat sich in den letzten Wochen stark verändert. Wo man sich nicht mehr sieht, wo man nicht mehr beisammen steht und sich nicht mehr spricht, wo es zum gewünschten Verhalten gehört, sich aus dem Weg zu gehen und sich nicht mehr anzuschauen, da schwindet das gemeinsame Streben nach Ordnung und Sauberkeit anscheinend sehr schnell.

Und die Hundehalter (leider nicht alle, denn viele lassen einfach „liegen“)? Die zeigen Humor und schaffen wahre Kunst… Scheißvirus!

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