Keep The Faith

Vor einiger Zeit fand ich in den Tiefen von YouTube eher zufällig das qualitativ schlechte Video aus den achtziger Jahren, in dem Yuri Bezmenov alias Thomas David Schumann einer amüsierten Zuhörerschaft in einem einstündigen Vortrag das Prinzip der Zersetzung erläutertet. Mit fast vierzig Jahren zeitlichem Abstand stockte mir an mancher Stelle der Atem, denn in den heutigen durchgeknallten Gesellschaften der westlichen Welt scheinen die Ziele der Zersetzung weitgehend erreicht. Und die im Video eher abstrakt dargestellten Mittel kann man sich aus eigener täglicher Erfahrung konkret mit Inhalt füllen.

Gegen Ende des Vortrages erläutert Bezmenov eine einfache Lösung, mit der sich Gesellschaften vor den Einflüssen der zersetzenden Strategie wehren können: Religion und Glaube. Er erwähnt die Ergebnisse eines russischen Forschers, der sich mit dem Untergang großer Zivilisationen befasst hat und den Verlust des gemeinsamen Glaubens an eine höhere Macht als einheitliches auslösendes Element für den jeweiligen Untergang identifiziert hat. Und er erwähnt die Bereitschaft des Menschen, für seine Überzeugungen einzutreten und auch zu sterben. Er brachte das Beispiel 2×2=4 für das niemand aufstehen und sagen wird: „Dies ist die Wahrheit, dazu stehe ich, komm und erschieß mich!“

Und er erwähnte die Menschen in russischen Konzentrationslagern, die sie nicht brechen konnten und die friedlich im Bewusstsein auf Gottes Macht starben, statt sich dem menschenverachtendem System unterzuordnen.

In den letzen Tagen muss ich oft an dieses Video denken. Ich erlebe um mich herum soviel irrationale Verhaltensweisen. Intelligente Menschen vertrauen der eigenen Wahrnehmung nicht mehr und unterwerfen sich bereitwillig absurden Regeln. Nachbarn laufen auf offener Straße einen Bogen um mich herum und halten sich dabei hektisch den Mundschutz enger vors Gesicht.

Und ich erlebe andererseits überall dort, wo ein tiefer christlicher Glaube vorhanden ist kritisches Denken und, ja was eigentlich…? Wärme, Herzlichkeit, Menschlichkeit, das tiefe Bewusstsein und Vertrauen auf den, dessen Wege unergründlich sind.

Ich möchte allen aufgescheuchten Seelen das Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ von Dietrich Bonhoeffer ans Herz legen, das mit folgenden Zeilen endet:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.