Ich, ich, ich…

Corona ist DAS Thema in der Familie, im Freundeskreis, im nahen und weiteren Bekanntenkreis und überall dort, wo man freiwillig oder unfreiwillig mit Menschen ins Gespräch kommt.

Die letzten zwanzig Jahre meines Berufslebens habe ich damit verbracht, Zahlen so lange anzustarren, bis mich „etwas ansprang“. Auf diese Art und Weise haben wir ganz kleine und manchmal auch richtig große Dinger gefunden. 

Seit knapp einem Jahr starre ich wieder Zahlen an, und ich kann nicht anders als mich darin zu wiederholen: Die zu Corona veröffentlichten Zahlen rechtfertigen aus verschiedenen Gründen die getroffen Maßnahmen nicht. Und die getroffenen Maßnahmen selbst sind so widersprüchlich, dass sie am Ende gar keinen Sinn machen. Vor ein paar Tagen sprach ich wieder in meiner persönlichen Echokammer über dieses Thema und wie immer faszinierte mich die Frage, warum einerseits so viele blind und ergeben der verordneten Marschroute folgen, und andererseits so viele (ver-)quer denken und alles in Zweifel ziehen. Was unterscheidet die einen von den anderen?

Abends sehe ich im Fernsehen einen Bericht über eine schwerbehinderte Richterin, die das gängige ärztliche Verfahren, bei knappen Ressourcen zunächst die mit der größeren Überlebenswahrscheinlichkeit zu versorgen, beklagt. Auch sie möchte, zumindest habe ich ihre Argumentation dahingehend verstanden, im Fall der Fälle, auch bei schlechteren Aussichten auf Heilung, gleichrangig behandelt werden.
Ich…

Im Umfeld erlebe ich, wie meine Klagen über die Auswirkungen der aktuellen Einschränkungen auf die Gesundheit und Psyche der Kinder schulterzuckend mit dem Argument weggewischt werden, dass man sich selbst ja gar nicht eingeschränkt fühle.
Ich…

Ein bekannter Beamter des höheren Dienstes ereifert sich für alle getroffenen Maßnahmen und würde noch weiter gehende Maßnahmen befürworten. Die daraus resultierende materielle Not der betroffenen Menschen und die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen wischt er beiseite. Die Gesundheit geht halt vor, lacht er augenzwinkernd.
Ich…

Der Teilnehmer einer Demonstration, die sich gegen die getroffenen Maßnahmen richtet, will keine Maske tragen und Abstand findet er auch doof. Die Vorgaben bricht er bewusst.
Ich…

Auf der Hundewiese treffe ich flammende Befürworter der Corona Schutzmaßnahmen. Ihre Bewunderung für das Durchgreifen der Regierenden scheint grenzenlos. Zu acht stehen sie ohne Maske dicht beisammen und trotzen dem scharfen Wind. Sie lachen über meine Einwände. „Hier auf der Wiese gelten diese Regeln nicht!“, werde ich lachend belehrt.
Ich…

In den allwissendem Müllhalden hat mir folgende Definition für Opportunismus am besten gefallen: Allzu bereitwillige Anpassung an die jeweilige Lage aus Nützlichkeitserwägungen.

Und für die Frage, was die einen von den anderen unterscheidet, ist wohl das Maß relevant, mit dem wir die Konsequenzen unseres Verhaltens ausblenden und die eigenen Wertvorstellungen über Bord werfen können.