Und raus bist du!

Ab und an klappere ich all die Blogs ab, die nicht auf meinem regelmäßigen virtuellen Weg liegen und dabei bin ich auf einen Kommentar von Vera Lengsfeld gestoßen, in dem sie über ein Interview zum Beitrag auf Panorama „DDR Bürgerrechtler: Vom SED-Gegner zum Corona-Leugner“ berichtet.

Nun schaue ich kaum Fernsehen und wenn, dann höchstens nachträglich über die Mediathek das, worüber ich in der Zeitung gelesen habe (oder eben in einem Blog). So habe ich mir nachträglich diesen Beitrag auf Panorama angesehen. Und ich war sprachlos. Was dem Zuschauer dort geboten wurde, war in vielerlei Hinsicht falsch.

Ich möchte hier nicht auf das Inhaltliche eingehen. Ich hatte Anfang der achtziger Jahre mal eine LP von Wolf Biermann als Leihgabe, die dann von demjenigen, der die Ina Deter LP dafür mitgenommen hatte, nicht mehr abgeholt wurde. Der schlechte Tausch blieb bei mir und landete irgendwann peinlich versteckt in der Plattensammlung der Eltern. Abgesehen von der selten gehörten Musik und seinem Konterfei auf dem Cover sind meine Kenntnisse über ihn genauso dürftig, wie die über Angelika Barbe, Martin Patzelt, Werner Schulz und Siegmar Faust. Mir ist egal, ob einer von ihnen rechts, links oder in der Mitte steht. Auch ob er Aluhut, Dauerwelle oder Glatze trägt ist mir egal.

Mir geht es hier allein um die Art der Berichterstattung. In der Anmoderation wusste ich nich nicht, was mich mehr störte: Die überhebliche und herausfordernd aggressive Art von Frau Reschke oder die Farbe der Bluse, die mich an den Milchschiss von Säuglingen erinnerte. Wie auch immer, ich empfinde beides gleichermaßen als unappetitlich.

Im Bericht selbst wurden die Guten (Biermann, Patzelt, Schulz) den Schlechten (Faust, Barbe, Lengsfeld) gegenübergestellt. Grundlage waren wohl diverse Interviews, deren Anlässe und Zeitpunkte weitgehend im Dunkel blieben. Und wo man kein passendes Interview hatte, da schnitt man wild aus YouTube zusammen und unterlegte mit Kommentaren, die das Videomaterial nicht immer hergab.

Während die Schlechten mal allgemein, mal konkret über ihr persönliches Empfinden gegenüber dieser Gesellschaft sprachen, redeten die Guten, ganz konkret und persönlich, schlecht über die Schlechten.

Damit schaffte man sehr subtil die Schlechten zu diskreditieren, obwohl man keine der von ihnen vorgetragenen Einschätzungen widerlegte.

In diesem Beitrag gab es nur Verlierer:

  • Die Schlechten, weil man ihre Offenheit gegen sie benutzte.
  • Die Guten, weil sie sich in ihren anmaßenden Urteilen ungewollt als die eigentlichen Schlechten präsentierten.
  • Die Macher, die die einen wie die anderen für die eigene Agenda mißbrauchten.
  • Und die Zuschauer, die unfreiwilliger Augen- und Ohrenzeuge menschlicher und journalistischer Abgründe wurden…

DU SOLLST nichts Falsches aussagen gegen deinen Nächsten.

Sprache hat eine gewaltige Macht: zum Guten und Bösen, im Großen und Kleinen. Worte können Freunde zu Feinden machen und mitten im Frieden Kriege anzetteln. Das Gebot richtet sich gegen das Lügen mit böser Absicht und schädlicher Wirkung, bei dem die Nächsten und die Gemeinschaft ihr Gesicht und ihre Würde verlieren. Zu lügen heißt: denen Unwahres sagen, die Recht auf die ganze Wahrheit haben. Falsch reden heißt: Gerüchte ungeprüft nachsprechen… Die Lüge vergiftet die Beziehungen und zerstört den Belogenen wie den Lügner.

„Die zehn Gebote“ von Rainer Oberthür und Barbara Nascimbeni